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Spaßkrimi, inspiriert von einer Diskussion in der
WKW-Gruppe "Weinheim/Bergstr. = Woinem!!!"

Der Killer vom Waidsee

Hauptkommissar Robert Herbig von der Polizeidirektion Heidelberg stieg am Eingang zum Waidsee im Hammerweg ächzend aus seinem Dienstwagen. Mit einem kurzen Rundumblick sah er, dass sich außerhalb der Absperrung wie immer viele Gaffer versammelt hatten. Zwischen dem Rundweg und dem See machte er seinen jungen Kollegen, Kommissar Löblich aus, der mit einem Streifenbeamten sprach und dabei hektisch mit beiden Händen fuchtelte. Gerade frisch zum Kommissar ernannt worden, hatte der junge Mann noch nicht sehr viel Erfahrung in der Mordermittlung. Außerdem war er etwas unbeholfen, rothaarig und noch dazu gebürtiger Viernheimer.
Herbig blieb stehen, bevor er die mit einem rot-weißen Band markierte Stelle an der Absperrung erreicht hatte. Ein Streifenbeamter der Weinheimer Polizei hob das gestreifte Band an, tippte grüßend an seine Mütze und ließ ihn durch.
Herbig nickte dem Kollegen freundlich zu und ging, immer noch aufmerksam alle Details der Umgebung beobachtend, auf Löblich zu.
„Moin Löblich. Was haben wir?“
„Einen Toten!“, erklärte Löblich hektisch. „Also, eigentlich sind es zwei.“
„Was jetzt, einer oder zwei?“, fragte Herbig unwirsch.
„Einen. Also den Mann, meine ich. Aber zwei Tote.“
„Löblich, mir ist heiß, meine Plattfüße tun mir weh, ich habe Hunger und bin müde, würden Sie mich also bitte nicht reizen?“
Noch bevor Löblich etwas darauf erwidern konnte, kam ein Männlein auf Herbig zu, schob Löblich einfach auf die Seite und stellte sich vor dem Hauptkommissar in Positur.
„Es war dieser Rentner!“
Herbig sah ihn verblüfft an. Er sah einen etwa 50 Jahre alten Mann, ein Meter fünfundvierzig bis ein Meter fünfzig großen Mann, der inklusive gelbem Baseballkäppi höchstens 50 Kilo wog, enge, rosafarbene Shorts trug, aus denen dürre, kalkweiße Beine lugten und ein viel zu großes, schwarzes T-Shirt, in das Arnold Schwarzenegger locker hineingepasst hätte. Das Shirt war so groß, dass es die engen Shorts, in das es gestopft war, wulstig ausfüllte, es damit noch enger machte und unten raus guckte.
Auf dem T-Shirt, das auch schon bessere Tage gesehen hatte, stand in blutroter Schrift: „Ich höre Stimmen ... und die mögen dich nicht.“
„Was?“, brachte der Kommissar nur heraus.
„Der Rentner! Der mit dem frisierten Rollstuhl!“
Herbig sah seinen Kollegen misstrauisch an.
„Löblich, was wissen wir von einem Rentner?“
Der junge Kommissar hatte seinen Block herausgeholt und blätterte hektisch darin.
„Rentner? Rollstuhl? Ähhh... nichts.“
„Ein frisierter Rollstuhl. Er hat einen Aufkleber drauf. ‚PIMP MY WHEELCHAIR’, steht da drauf.“, erklärte der Kleine.
Kommissar Herbig wurde das zu bunt.
„Bevor wir uns über irgendeinen Rentner unterhalten, möchte ich mir erst mal den Tatort ansehen, Herr ...?“
„Koslowski! Jupp Koslowski. Sie dürfen mich aber auch GLADIATOR nennen, das ist mein Künstlername!“
Herbig fielen fast die Augen aus dem Kopf.
„Künstler...?“, begann er.
Gladiators T-Shirt „Ich bin Juniorwrestler beim AC Weinheim, müssen sie wissen. Seit acht Jahren. Nächstes Jahr hab ich schon meinen ersten Kampf!“ Dabei holte er aus einer Umhängetasche stolz eine Visitenkarte und reichte sie dem Kommissar.
Während Herbig fassungslos Koslowsky anstarrte, sagte er monoton zu seinem Kollegen: „Bringen Sie mich sofort zum Tatort, Löblich. Sofort! Und Sie ...“, damit deutete er auf Koslowsky, „werden meinem Kollegen alles sagen, was Ihnen zu den Morden einfällt. Verstanden?“
Koslowsky sah den Kommissar misstrauisch an.
„Morde? Was denn für Morde?“
Herbigs Gesicht wurde jetzt immer länger.
„Sie haben doch eben gerade erzählt, dieser Rentner in diesem frisierten Rollstuhl sei der Mörder, oder?“
„Mord?“, kiekste der Gladiator.

 

Teil 2


Hauptkommissar Herbig machte den Eindruck, als wolle er Koslowsky standrechtlich erschießen lassen.
„Herrrrrrr...”, begann er, mit hochrotem Kopf, worauf ihm Löblich beruhigend die Hand auf den Arm legte.
„Herr Hauptkommissar, ich glaube, Herr Koslowsky meinte den Hund. Also den toten Hund, die ähhh ... Leiche des toten Hundes ...“
Der Hauptkommissar sah aus, als habe ihm eine Gynäkologin gerade eröffnet, er sei schwanger.
„Wa...? Ein ... ein Hund?“ Das Gestammel klang nicht besonders intelligent.
„Der zweite Tote, also ich meine ... das zweite Opfer“, ergänzte Löblich.
Als Herbig immer noch nicht aussah, als wisse er, welcher Tag heute ist, holte Löblich tief Luft.
„Wir wurden gerufen, weil hier ein Toter liegt. Ein Angler namens Uwe Paschulke. Er wurde ermordet. Kopfschuss. Und als wir hierher kamen, fanden unsere Kollegen von der Spurensicherung in der Nähe der Schweinebucht“, dabei deutete er über seine Schulter, „einen toten, in seine Einzelteile zerfetzten Hund.“
„Das war doppelt“, sagte Herbig lapidar.
„Hä?“ Jetzt war es an Löblich, ein blödes Gesicht zu machen. „Ich meinte, wie bitte?“
Herbig winkte ab. „Löblich, wenn ein Hund in seine Einzelteile zerfetzt ist, dann gehe ich davon aus, dass er tot ist. Sie müssen also nicht von einem toten und in sei... ach, vergessen Sie es.“
Koslowsky stand während des ganzen Dialogs mit offenem Mund daneben und meldete sich dann zaghaft, indem er einen Finger hob. Herbig musste plötzlich an seine Schulzeit in der Albert-Schweitzer-Schule denken und daran, dass die bald abgerissen werden sollte. Bevor die Wehmut ihn überkam, verdrehte er die Augen und sah dann Koslowsky an.
„Herr Koslowsky, Sie wollen also Angaben zu dem toten Hund machen? Wissen Sie denn, wem der gehört? Ist es vielleicht sogar Ihr Hund? Oder haben Sie etwas beobachtet, was uns weiterhelfen könnte? Kennen Sie eventuell den Mörder? So reden Sie doch, Mann!“ Herbig hatte sich in Rage geredet.
Koslowsky wurde noch kleiner und blasser. Trotzdem schüttelte er heftig den Kopf.
„Nein!“
Löblich sah, wie die Zornesader an der Schläfe seines Chefs wieder anschwoll. Die Gesichtsfarbe des Hauptkommissars hatte mittlerweile eine Farbe angenommen, in der Löblich gerne einen Teppich für sein Wohnzimmer gehabt hätte. Allerdings waren hochflorige Teppiche in einem satten Brombeerrot schwer zu kriegen und arschteuer. Löblich schüttelte sich kurz, um seine Gedanken an sein Wohnzimmer zu verdrängen.
„Chef, wollen Sie sich nicht mal die Leiche ansehen? Ich werde mich so lange mit Herrn Koslowsky unterhalten.“
„Grmblhmpf...“, war alles, was Hauptkommissar Herbig von sich gab, bevor er sich umdrehte.
Löblich nickte einfach. „Ja, schon okay, Chef, mach ich doch gerne.“
Der Hauptkommissar stakste stinksauer langsam Richtung See, wo einige Kollegen in weißen Papieranzügen die Spuren sicherten. Seine Gesichtsfarbe nahm langsam wieder normale Farbe an, die Kollegen hatten jedoch alle mitbekommen, wie die letzten Minuten verlaufen waren.
Der Rechtsmediziner, Dr. Dr. habil. Ferdinand Hübel-Fork erhob sich gerade und gab den Leuten vom Institut einen Wink, die Leiche einzupacken. Bevor diese den Reißverschluss der Plastikplane schlossen, warf Herbig noch einen Blick auf die Leiche. Er sah einen Mann in den Fünfzigern, etwas korpulent, mit lichtem Haar und einem Oberlippenschnauzbart.
‚Sympathisches Gesicht’, dachte er noch, ‚bis auf das große, schwarze Loch, mitten in der Stirn’, dann wandte er sich ab.
„Können Sie schon etwas sagen, Doktor?“, fragte er den Rechtsmediziner.
Der packte gerade seine Utensilien in die Tasche und sah dann nachdenklich den Assistenten nach, die den Toten wegbrachten. Er wiegte den Kopf.
„Merkwürdige Sache, das.“ Er erhob sich, gab Herbig die Hand und nahm seine Tasche in die andere.
„Die vermutliche Todesursache ist wohl das Loch in seiner Stirn, aber Näheres kann ich Ihnen natürlich erst nach der Obduktion sagen.“
„Todeszeit?“
„Heute Morgen, zwischen drei und acht Uhr, würde ich sagen.“
Herbig hakte nach. „Sie sagten, etwas sei merkwürdig?“
Hübel-Fork schüttelte den Kopf. „Nicht etwas, alles!“ Er machte eine Geste, ihm zu folgen.
„Hier haben ihn ihre Kollegen gefunden. Dort wurde er aber wohl nicht ermordet. Hier ist nämlich kein Blut.“
Herbig sah sich um. Er sah einen Platz, an dem allem Anschein nach ein Angler gesessen hatte. Ein aufklappbarer Sitz, zwei Ruten im Wasser, ein leerer Kescher lag nahe dem Wasser.
Neben dem Stuhl stand eine kleine Kiste, ähnlich einer Werkzeugkiste.
Herbig hatte den Angelschein seit mehr als zwanzig Jahren, obwohl er seit Jahren nicht mehr geangelt hatte, wusste daher, dass es sich um eine Kiste für Angelzubehör handelte. Er sah an dem Tatort nichts Außergewöhnliches, daher zuckte er mit den Schultern.
„Er wurde also anderswo ermordet, und hierher gebracht. Was ist daran merkwürdig?“
Hübel-Fork lächelte hinterhältig. „Der Hund fehlt.“
Schon wieder machte Herbig ein dummes Gesicht.
„Der Hund? Fangen Sie jetzt auch schon damit an? Welcher Hund denn?“

Teil 3

„Der Tote hat Bissspuren im Gesicht. Und an den Beinen. Von einer kleinen Hundeart. Zwergschnautzer, würde ich sagen. Oder eine kleine Terrierart.“
„Bissspuren? Können die etwa zum Tod geführt haben?“, fragte Herbig neugierig.
Hübel-Fork verneinte. „Nein, auf keinen Fall. Aber sie sind ganz sicher ante mortem zugefügt worden.“
Löblich stand daneben und sah Herbig blöde an. „Ante was ...?“
Rechtsmediziner Hübel-Fork lachte laut auf, drehte sich um und verließ den Tatort.
„Was bringt man Euch eigentlich heute alles so bei?“, fragte Herbig und schüttelte den Kopf.
„Ist das so was wie Ante Portas?“ Löblich war bemüht, Punkte zu sammeln.
Herbig schnaufte heftig.
„Löblich, ‚Ante Portas’ bedeutet ‚Vor der Tür’. Sehen Sie hier irgendwo eine Tür?“
Löblichs Gesicht erhellte sich. „Vorne beim Angelverein vielleicht?“
Wenige Sekunden später musste er wieder an seinen Teppich denken, weil Herbigs Gesichtsfarbe erneut eine unnatürliche Färbung annahm.
„Ante mortem bedeutet vor dem Tod, Löblich. Vor dem Tod, nicht vor der Tür des Angelvereins, sie Banause!“
„Chef?“ Einer der Beamten kam auf Herbig zu.
„Ja, was gibt’s denn?“ Der Hauptkommissar hatte sich schnell wieder in der Gewalt, Löblich war dankbar für die kurze Unterbrechung.
„Was sollen wir denn mit den Überresten des toten Hundes machen?“
Dabei hielt er eine kleine Plastiktüte hoch.
„Da ist er drin? Da passt doch höchstens eine Ratte rein“, fragte Herbig zweifelnd. „Was war das den für einer?“
Sofort fühlte sich Löblich wieder oben auf.
„So ein Kleiner, Herr Hauptkommissar, so ein Chiquita, oder so.“
Der Beamte und Herbig sahen sich an. Der Hauptkommissar hob seine rechte Augenbraue.
„Ein Chiquita? War er gelb?“
„Gelb?“ Löblich sah auf seinen Notizblock. „Ähh, nein, eher so braun, irgendwie.“
„Dann war es kein Chiquita, Löblich, sondern ein Chihuahua.“
Löblich nickte verstehend.
„Und wenn er gelb gewesen wäre ... dann ... dann wäre es ein Chiquita gewesen?“
Herbig dachte mehrere Sekunden daran, Löblich einfach zu erschießen und in den See zu schmeißen.
„Ja“, sagte er nickend. „Dann wäre es ein Chiquita gewesen. Aber nur, wenn er eine Schale gehabt hätte."
Der Beamte mit der Plastiktüte sah aus, als wolle er vor Lachen gleich in die Hosen pinkeln. Krampfhaft stand er da, die Tüte mit dem Hundekadaver in der Hand, aus der langsam Blut tropfte und hatte Tränen in den Augen.
Herbig warf ihm einen Blick zu, der nur eine Deutung zuließ: „Wehe, wenn du lachst!“
Plötzlich wurde es laut um sie herum. Herbig sah, wie einige der Beamten auf dem Rundweg Richtung Anglerverein liefen. Er, Löblich und der Beamte mit der blutigen Plastiktüte folgten den Kollegen.
Etwa dreißig Meter von ihnen entfernt stolperte ein Mann auf sie zu. Er war nackt und am ganzen Körper tätowiert. Viel auffälliger als die Tattoos waren allerdings die zwei Wunden in der Bauchgegend, aus der schon eine ganze Menge Blut geströmt sein musste. Die linke Wunde hatte das Tattoo einer nackten Blondine zerstört, unter der ‚Ich liebe Gina Wild’, stand, die rechte machte den Satz ‚Jesus liebt dich’, schwer lesbar.
„Der Hund ...“, röchelte der Mann, „ich wollte doch nur ... und dann ... diese Bestie ...“, dann wurde er ohnmächtig.
Sofort sprangen ihm zwei Beamte zur Seite und fingen ihn auf. Auf seinem Rücken las Herbig: ‚Wer das lesen kann, ist zu nah!’
„Löblich“, sagte Hauptkommissar Herbig leise.
„Ja, Herr Hauptkommissar?“ Löblich flüsterte fast.
„Besorgen Sie mir einen Schnaps, aber schnell!“
 

Teil 4

„Aber Herr Hauptkommissar, wir sind doch, ... also im Dienst, meine ich, da dürfen wir doch nicht ...“
Herbig winkte ab. „Jemand muss mit dem Mann“, damit deutete er auf den Bewusstlosen, „ins Krankenhaus fahren. Wir müssen unbedingt wissen, was da passiert ist.“ Bevor Löblich, der ein erfreutes Gesicht machte, etwas sagen konnte, fuhr Herbig fort: „Vergessen Sie es, Löblich, Sie bleiben hier. Wo ist denn eigentlich unsere Kollegin, Frau Kommissarin Krawetzki?“
Löblich senkte den Kopf. „Die hat vorhin angerufen, sie musste mit ihrem Hund zum Tierarzt. Er hat sich wohl beim Spielen verletzt ...!“
Herbigs gesicht wurde schon wieder dunkelrot.
„Das wird ja immer schöner“, brüllte er. „Warum weiß ich davon nichts? Sie rufen sie sofort an und sagen ihr, sie soll sich umgehend ins Krankenhaus begeben und den Mann vernehmen, sobald er wieder zu sich kommt. Umgehend, Löblich. Um ihr Kalb ...“, dabei dachte Herbig an den etwa 100 Pfund schweren Mollossermischling, „soll sich gefälligst der Tierarzt kümmern.“
Kriminaloberkommissarin Elvira Krawetzki hatte sich, nachdem sie vor einigen Monaten beim spazieren gehen am Waidsee von einem Exhibitionisten belästigt wurde, aus dem Weinheimer Tierheim einen Hund besorgt, der sie beschützen sollte. Der war damals noch recht jung und tapsig, wurde aber im Laufe der Monate zu einem richtigen Ungetüm, der von ihr fast nicht mehr zu bändigen war. Sein Kopf hatte mittlerweile fast die Größe eines Medizinballes erreicht.
Frauen und Hunde, dachte Herbig. Was hat diese Person, die zum Erdbeerpflücken eine Trittleiter braucht, sich so ein Ungetüm zugelegt? Die sollte sich lieber einen kleinen ... hehehe, er musste an Löblichs Entgleisung mit der Chiquita denken, einen gelben „Bananenhund“ zulegen. Der würde besser zu ihrer zierlichen Figur, ihrem hübschen, süßen Hint...!
Herbig merkte, dass er anfing, abzuschweifen. Schnell sah er sich um und räusperte sich. Niemand schien seine gedankliche Abwesenheit bemerkt zu haben.
 
Der blutende Mann wurde gerade in den Krankenwagen verfrachtet, Löblich sah ihm mit Wehmut nach, als er mit Sirenengeheul und Blaulicht los fuhr. Zu gerne wäre er mitgefahren, um dem Dunstkreis seines Chefs zu entkommen.
„Löblich!“, brüllte der gerade wieder.
„Ja, Chef?“
„Haben Sie unsere Kollegin erreicht?“
„Bin schon dabei, Chef!“, log Löblich.
„Jetzt awwa hordisch, hordisch!“
Löblich verdrehte die Augen, als Herbig wieder in seinen Woinemer Dialekt, wie er es nannte, verfiel. Löblichs Familie kam eigentlich aus Bremen, er hatte von frühester Jugend an gelernt, ein sauberes und vor allem akzentfreies Deutsch zu sprechen.
Er nahm sein Handy raus, drehte sich ein wenig zur Seite und wählte Elviras Nummer.
Nach einem kurzen Wortwechsel, drehte er sich wieder zu Herbig um.
„Chef, Elvira meint ...“
„Was haben sie denn an umgehend nicht verstanden, Löblich? Ich sagte umgehend, ohne Widerrede!“
„Aber Pitt hat noch ...“
Herbig sah ihn nur an, sagte nichts mehr. ‚Wie konnte man so ein Riesenvieh nach einem Schauspieler benennen? Weiber’, dachte er.
„Okay, Chef, ich sag’s ihr.“
 
Wenige Minuten später kam der Krankenwagen zurück. Der mitfahrende Notarzt steig aus und kam auf den Hauptkommissar zu, der am Ufer stand und ein paar Tauchern zusah, die den See rund um den Fundort nach einer Waffe absuchten.
„Wir dachten, wir kommen wieder her, vielleicht gibt’s noch mehr Verletzte, Herr Hauptkommissar.“
Herbig nickte. Er mochte es, wenn Leute mitdachten. Als der Arzt sich schon wieder weg gedreht hatte, hakte Herbig noch mal nach: „Ach, Doktor, war der Mann die ganze Fahrt über bewusstlos?“
Der Arzt drehte sich um.
„Ja, mehr oder weniger. Er hat zwischendurch ein wenig phantasiert und wirres Zeug geredet.“
Jetzt war der Hauptkommissar neugierig geworden. Auch Löblich kam näher und spitzte die Ohren.
„Etwas dass uns weiter helfen könnte?“, fragte Herbig.
Der Arzt legte die Stirn in Falten und machte ein nachdenkliches Gesicht.
„Er sprach immer wieder nur von ‚dieser Bestie’. Wir wissen aber nicht genau, was er damit meinte.“
Herbig nickte. Er war ein wenig enttäuscht, hatte er sich doch mehr erwartet.
„Danke, Doktor“, sagte er und drehte sich zu Löblich. Der Arzt nickte kurz und ging zurück zum Krankenwagen. Dann blieb er jedoch stehen, hob den Arm und drehte sich um. „Ach, eins noch, Herr Kommissar ...“
„Ja?“
„Bit! Der Mann hat mehrmals von Bit, Pit... oder so ähnlich gesprochen. Können Sie damit etwas anfangen?“
Löblich fielen fast die Augen aus dem Kopf, als er Herbig ansah.
„Aber ... Pit? Oder Pitt? Das kann doch nicht ... wieso denn ...“ Löblich schüttelte den Kopf.
Herbigs Gesicht wurde hart. „Löblich, sie fahren sofort ins Krankenhaus und lösen unsere Kollegin ab. Die soll sofort hierher kommen, klar? Mit Ihrem Schauspielerköter, klar! Und ich meine sofort!“
‚Verdammt’, dachte Herbig, jetzt könnte ich wirklich einen Schnaps gebrauchen. Warum bin ich eigentlich Antialkoholiker?’
Dann überlegte er nochmal.
"Nein, bleiben Sie hier, Löblich, ich brauche Sie hier, die Kollegin soll mit dem Ungetüm hierher kommen, wir befragen den Kerl später."
Sein Handy klingelte. Er klappte es auf und sah im Display, dass der Anruf vom Rechtsmediziner Hübel-Fork kam.
„Hallo Doktor. Haben Sie schon was?“
Dann lauschte er gespannt. Nach ein paar Sekunden sah er zu den Tauchern hin. „Sind sie da ganz sicher, Herr Doktor?“
Dann drehte er sich im Kreis und schüttelte vehement den Kopf.
„Verdammte Scheiße, das darf doch nicht wahr sein. Wieso denn ein ...? Ja, ja, ich weiß ja, dass Sie nichts dafür können, Sie machen ja nur Ihre Arbeit. Wie groß soll der ...? Was? Nur ein paar Zentimeter? Und wie dick ...? Ach, wirklich?“
Hauptkommissar Herbig verabschiedete sich vom Rechtsmediziner und klappte sein Handy zu.
Das was er gerade von ihm gehört hatte, warf all seine Theorien über den Haufen. Er ging zum Ufer und winkte den Tauchern zu. „Ihr könnt aufhören, nach einem Revolver zu suchen, hat sich erledigt.“

* * *
Der Mann setzte das Fernglas ab und sah über den See zum Hauptkommissar hinüber. Dann stand er vorsichtig auf, legte die Äste, mit denen er sich im Liegen getarnt hatte, neben sich und schob grinsend seinen Rollstuhl, auf dem in roten Buchstaben ‚PIMP MY WHEELCHAIR’ stand, zurück aus dem niedrigen Dickicht auf den Rundweg. Dort setzte er sich, nach einem kurzen Rundblick hinein und verschwand dann langsam rollend, dabei immer noch grinsend, Richtung Ofling.

Teil 5 Ende

Löblich kam langsam auf den Hauptkommissar zu, der den Kopf in beide Hände gestützt, am Ufer saß.
„Ähh, Herr Hauptkommissar, was ist denn los?“
Herbig sah ihn mit müden Augen an.
„Das war gerade der Rechtsmediziner, Löblich. Der Tote ist gar nicht erschossen worden. Es sei denn, jemand erschießt Leute neuerdings mit Hühnerknochen.“
„Hühner ...?“
Herbig nickte. „Sie haben richtig verstanden, Löblich, Hühnerknochen.“
Der Hauptkommissar stand auf. „Dr. Hübel-Fork hat die Obduktion zwar noch nicht beendet, kann uns aber schon die Todesursache nennen. Das Loch in der Stirn wurde durch einen Hühnerknochen verursacht. Oder einen Knochen eines ähnlichen Vogels. Der Knochen hat einen Durchmesser von etwa acht Millimetern und ist, falsch, er war, acht Zentimeter lang.“
„War? Wieso war?“, fragte Löblich. Herbig blieb stehen und sah seinen Assistenten an.
„Der Doktor fand in der Stirn des Toten Fragmente eines solchen Knochens. Und zwar in acht Zentimetern Tiefe. Allerdings fand er nur etwa eineinhalb Zentimeter davon.“
Löblich schüttelte den Kopf. „Aber das alles ergibt doch keinen Sinn. Wer erschießt denn Leute mit einem Knochen?“
Herbig sah ihn misstrauisch an. Er wusste nicht, ob Löblich das Gesagte ernst gemeint hatte.
„Löblich“, fragte er vorsichtig, „Wie kriegt jemand einen Knochen in die Stirn?“
Löblich sah ihn blöde an und zuckte die Schultern.
„Jemand anderes spitzt den Knochen an und knallt ihn ihm in die Stirn?“
Löblichs Handy klingelte. Herbig wandte sich erleichtert ab. Beide gingen langsam Richtung Eingang.
Kaum waren die beiden Beamten wieder auf dem Rundweg angekommen, hörten sie von links ein hektisches Klingeln. Ein Radfahrer, der eine ziemliche Geschwindigkeit drauf hatte, kam mit ziemlicher Geschwindigkeit an und wollte durch den Eingang den Rundweg verlassen. Er zwang mit seinem Manöver die beiden Kommissare, anzuhalten und ihn vorbei zu lassen. Löblich hob die Faust und schimpfte.
„Dieser Idiot. Fast wäre er vom Rad geflogen. Der hätte sich und uns sonst was brechen können.“
Herbig wurde nachdenklich. Er kniff die Augen zusammen.
„Hmm, brechen können ... guter Beitrag, Löblich“, sagte er, „ sehr guter Beitrag! Der Tatort war nicht hier, sondern wo anders. Ein Knochen in der Stirn ...“
Löblich machte schon wieder sein dämliches Heinz-Erhard-Gedächtnis-Gesicht und schien nichts zu verstehen. „Ja, Chef?“, fragte er zweifelnd.
„Löblich, stellen Sie sich einfach mal vor, jemand fährt mit dem Rad.“ Herbig sah sich um. „Oder jemand rennt schnell, oder fährt ein Mofa, einen Roller. Können Sie mir folgen?“
Löblich nickte. „Klar, Chef. Wohin?“
Herbig verdrehte die Augen und schüttelte heftig den Kopf. „Rufen sie alle abkömmlichen Beamten zusammen, Löblich, viele Augen sehen mehr als zwei.“

Wenige Minuten später stand Hauptkommissar Herbig in einem Kreis aus elf Beamten.
„Wir suchen jetzt alle gemeinsam den Rundweg ab. Und zwar suchen wir Knochenreste. Das kann auch eine ganze Menge sein“ Er machte mit den Händen die Form eines Fußballes. Die Beamten sahen sich gegenseitig an. Herbig fuhr fort.
„Diese Knochenreste können in Plastiktüten sein, in Papiertüten, oder auch offen irgendwo im Gras liegen, also haltet eure Augen auf. Wer etwas findet, nicht anfassen, sondern warten, bis die Spurensicherung kommt. Und jetzt los.“
Es dauerte nur etwa fünf Minuten, bis ein Schrei ertönte.
„Herr Kommissar! Hierher!“ In etwa dreißig Metern Entfernung stand ein Beamter neben einem der vielen Müllkörbe und winkte heftig. Löblich und der Hauptkommissar rannten sofort los. Bevor sich Herbig dem Korb näherte, sah er auf dem Boden bereits eine Spur aus Blut. Er sperrte mit den Händen den Müllkorb ab.
„Holen Sie die Spurensicherung her, Löblich.“ Im Müllkorb lag eine knallrote Plastiktüte voller Hühnerknochen, einige davon waren in dem engen Gitter des Müllkorbes verkantet.
Löblich wollte schon losspurten, als Herbig ihn noch mal aufhielt.
„Löblich, wo ist eigentlich der tote Chihuahua?“
„Der ... ähh ... was?“
Herbig verdrehte die Augen.
„Der Bananenhund, Löblich, der ohne Schale.“
Löblich hatte zum ersten Mal das Gefühl, vom Hauptkommissar auf den Arm genommen zu werden. Hektisch sah er sich um.
„Ähh, den hat Polizeiobermeister Schnablawetzki noch in der Tüte, Chef!“
„Bringen Sie ihn her.“ Zu den umherstehenden Beamten sagte er: „Ihr sucht nach weiteren Blutspuren und zeigt die der Spurensicherung, falls Ihr welche findet. Wäre doch gelacht, wenn wir nicht langsam ...“
„Hallo? Sind sie ein Kriminaler?“
Löblich war bereits auf dem Weg zum Eingang, Hauptkommissar Herbig und die um den Müllkorb stehenden Beamten drehten sich um.
Vor ihnen stand eine Dame, etwa siebzig Jahre alt, ca. 120 Kilo schwer, mit weißblond gefärbten Haaren, die rosa Laufkleidung trug. Am ihrem linken Arm baumelten zwei Nordic Walkingstöcke, am rechten hielt sie eine Hundeleine, an deren Ende ein junger Dobermann mit einem Kettenhalsband angebunden war. Ein leises Knurren war von ihm zu hören.
„Platz, Pitralon!“, sagte die Dame. Sofort legte sich der Dobermann auf die Erde.
Herbig und Löblich sahen sich an. „Pit... Pitralon?“, fragten beide gleichzeitig.
„Also was ist jetzt, sind sie Polizisten? Ich möchte so einen nackten Lüstling anzeigen!“
Hauptkommissar Herbig fasste sich als Erster wieder. Er wollte der Dame die Hand geben und sich vorstellen, aber ein leises, aus der Tiefe kommendes Knurren hielt ihn davon ab. Er nickte nur.
„Ich bin Hauptkommissar Herbig, das hier ist Kommissar Löblich. Wie können wir Ihnen denn helfen, Frau ...?“
„Dosenmais ist mein Name, Herr Kommissar. Gertraude Dosenmais. Ich habe vorhin erfolgreich so einen Lüstling vertrieben, der mich und meinen Hund belästigte.“ Herbig sah zu dem Dobermann hin, der immer noch die Lefzen hochzog und die scharfen Eckzähne zeigte.
„Einen Lüstling?“, fragte Herbig.
„Genau! Der kam einfach so nackt aus dem See. Vorhin hab ich ihn schon mal gesehen, da hat der schon seinen kleinen, braunen Köter dort baden lassen. Als diese Ersatzratte auch noch irgendeinen unschuldigen Vogel gerissen hat und mit den Knochen spielte, hat mein Pit hier ihn weg gejagt. Und dann ging dieser nackte Lüstling plötzlich auf mich los.“ Dann hob sie ihre Stöcke. Herbig entdeckte Blut an den beiden Spitzen.
„Dem hab ich es aber gegeben! Sie hätten mal sehen sollen, wie ich dem die beiden hier in den Bauch ger...“
Herbig schlug sich auf die Schenkel. „Heureka! Ich hab’s!“
Das Knurren des Dobermannes wurde bei dem Schenkel schlagen sofort lauter, brach dann aber sofort ab und ging in ein leises Winseln über.
„Hallo Archimedes.“ Hauptkommissar Herbig hörte plötzlich eine melodisch klingende Stimme und danach ein tiefes, dumpfes Grollen hinter sich.
Kriminaloberkommissarin Elvira Krawetzki, dreißig Jahre alt, schlank und bildhübsch, kam den Rundweg herunter. Neben ihr lief Brad Pitt, ihr fast ausgewachsener Bull Mastiff. Der sah den zierlichen Dobermann an, als habe er plötzlich Appetit auf frisches Hundefleisch bekommen.
Pitralon zog es daraufhin vor, sich hinter den Fettwülsten seines Frauchens zu verstecken.
„Halten Sie bloß diese Bestie zurück, Sie ...“
„Krawetzki“, sagte die junge Kommissarin, „Elvira Krawetzki. Oberkommissarin Krawetzki! Wieso hat ihr Hündchen eigentlich keinen Maulkorb um?“
Jetzt wurde Frau Dosenmais schnippisch.
„Ihrer hat ja auch keinen um.“ Dabei blickte sie sich beifallheischend um.
Krawetzki nickte nur, bückte sich zu Brad Pitt hinunter und tätschelte ihm liebevoll auf die Flanken. Brad Pitt sabberte, Herbig ertappte sich dabei, wie er ins Träumen geriet. So könnte Elvira ihn auch mal tätscheln ... er würde auch sabbern ...
„Das ist Brad Pitt. Und er ist ein Polizeihund“, erklärte die Kommissarin lapidar. Dann drehte sie sich zu Hauptkommissar Herbig um.
„Also, Archimedes, was hast du gefunden und wieso sollte ich mit meinem Hund hierher kommen?“
Herbig druckste herum. „Ich habe den Fall gerade gelöst. Also die Fälle. Und deinen Hund brauchte ich wegen der Spuren.“
Löblich mischte sich ein. „Gelöst, Herr Hauptkommissar? Wieso denn gelöst? Und wieso Archimedes? Ist das wieder so was wie das mit der Tür und der Post?“
Herbig winkte ab. Er nahm die Tüte mit dem toten Chihuahua von Polizeiobermeister Schnablawetzki entgegen und öffnete sie. Dann verzog er das Gesicht. „Uhhh, was für eine Sauerei“, sagte er, sah aber dann doch hinein.
„Hab ich es mir doch gedacht.“ Er setze die Tüte auf der Erde ab, die beiden Hunde schnupperten fleißig. Vorsichtig, mit spitzen Fingern fasste der Hauptkommissar hinein und holte aus den Hunderesten zwei Gegenstände heraus. Er nickte.
„Es hängt alles zusammen, irgendwie. Alles.“
Er erhob sich. In seiner Hand hielt er ein Teil aus Metall.
„Der Chihuahua hat dem Angler, Herrn ...?“ Er sah Löblich an. Löblich blätterte hektisch in seinem Notizblock.
„Paschulke, Herr Hauptkommissar, Uwe Paschulke“
„Richtig. Also, der Chihuahua hat Herrn Paschulke einen sogenannten Blinker geklaut. Das sind diese großen Köder hier.“ Damit zeigte er ein Stück Metall, das etwa die Form eines kleinen Schuhlöffels hatte. An seinem Ende hing ein Dreifachangelhaken.
„Möglicherweise ist der Haken auch nur an dem Chihuahua hängen geblieben, als der unerlaubterweise den Angelkasten durchsuchte. Paschulke sah das und rannte dem Hund nach. Hier ...“ Damit deutete er auf den Müllkorb, „... stolperte Herr Paschulke über irgendetwas und fiel mit der Stirn gegen den Müllkorb. Genau in einen der Knochen, die sich im Müllkorb verkantet hatte. Der bohrt sich in seine Stirn. Dadurch ...“ Jetzt deutete er auf einen großen, dunklen Fleck, „ ... verlor Herr Paschulke sehr viel Blut.“
Dann machte Herbig ein paar Schritte.
„Ihr müsst es euch vorstellen. Paschulke hatte jetzt diesen Knochen in der Stirn, blutete stark und schleppte sich darum zu seinem Angelplatz zurück. Möglicherweise wollte er den Knochen mit einer Zange rausziehen, vielleicht wollte er auch nur an sein Handy, um den Notarzt zu rufen. Der Chihuahua ...“ Jetzt deutete Herbig auf die blutige Plastiktüte, „ ... witterte Oberwasser und verfolgte Paschulke. Paschulke schaffte es noch bis zu seinem Angelplatz, dann starb er. Der Chihuahua wagte sich vor und zog Paschulke knurrend und heftig beissend den Knochen aus dem Loch in der Stirn. Dabei splittert der Knochen, ein kleiner Teil davon blieb in der Wunde, Der Doktor fand das Stück bei der Obduktion. Darum auch die Biss- und Kratzspuren eines kleinen Hundes an Paschulke, aber kein Blut. Post mortem, Löblich, gelle?!“ Löblich nickte nur fasziniert.
„Der Chihuahua hatte jetzt den Knochen im Maul, irgendwo an seinem Fell hing immer noch der große Blinker. Er wollte mit dem Knochen, seiner Beute, stolz zu seinem Herrchen rennen, der aber gerade nackt im See badet. Als Pitralon, der Dobermann, den Chihuahua sieht, verfolgt der ihn, der Chihuahua rannte dadurch wahrscheinlich in ein Fahrrad, oder ein Mofa, der Blinker blieb am Rahmen hängen, dadurch wurde der Kleine völlig zerfetzt. Der Nacktbader ärgerte sich darüber, dass der Dobermann seinen kleinen Hund verjagte. Er will Frau Dosenmais zur Rede stellen, wird aber, weil er nackt ist und sie ihn für einen Lustmolch hält, von Frau Dosenmais mit den beiden Stöcken verletzt. Schwer blutend lief er zu uns und wurde ins Krankenhaus gefahren. Mit ‚diese Bestie’ und dem Namen Pit meinte er wohl eher Frau Dosenmais und ihren Dobermann.“ Herbig sah Frau Dosenmais an, die die Augen niederschlug.
Breitners Paule und Pitralon„Wieso eigentlich Pitralon, Frau Dosenmais? Das war doch so ein merkwürdiges Rasierwasser in den Achtzigern, oder?“
Die Dicke errötete zart und nickte heftig. Ihre Haare flogen.
„Ich hab damals den Paule Breitner so verehrt, der hat doch dafür immer Werbung gemacht.“
Hauptkommissar Herbig nickte.
„Aha. Und Löblich ...“ Er drehte sich zu seinem Assistenten, „Archimedes von Syrakus rief nach einer Überlieferung damals ‚Heuraka, ich hab’s gefunden’, aus, als er das nach ihm später benannte Prinzip entdeckte. Richtig, Frau Kollegin?“ Jetzt drehte er sich zu Elvira Krawetzki um. Die nickte und grinste.
„Stimmt, Herr Hauptkommissar. Allerdings war Archimedes dabei nackt. Der Überlieferung nach.“ Dabei sah sie musternd an Herbig herunter.
Der räusperte sich lautstark. „Darüber reden wir ein andermal“ Aus den Augenwinkeln sah er den Amateurwrestler Gladiator den Weg herauf kommen.
Der blieb neben dem Müllkorb stehen, sah alle Umstehenden an und bemerkte dann die knallrote Mülltüte mit den Knochen in der Hand des einen Beamten.
„Ha! Die Tüte kenn ich, Herr Kommissar!“, rief er aus, „die hat dieser Rollstuhlfahrer bei sich gehabt, als er in den Rundweg einbog! Dieser Rentner!“
Herbig nickte triumphierend.
„Wie schon gesagt, es passt alles irgendwie zusammen. Oder ist jemand von euch etwa anderer Meinung?“
© Robert Herbig/Compuexe 2009


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